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Oper Annas Maske: Blog, Photos & Videos

Verfolgen Sie die Produktion von David Philip Heftis Oper Annas Maske von der ersten Probe bis hin zur Première am 6. Mai 2017 auf dem Blog des Theaters St. Gallen, im Photo-Album auf Facebook und auf YouTube:
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Interview zur Uraufführung von Annas Maske

Neue Musik muss nicht laut sein – David Philip Hefti über Annas Maske

Worin bestand die grösste Herausforderung bei deiner ersten Oper?
Es gab zwei. Die erste war die Dauer. Annas Maske sollte eine abendfüllende Oper und damit zwei- bis dreimal so lang werden wie mein bis dato längstes Stück. Die erste Herausforderung bestand für mich also darin, über 90 Minuten die Spannung aufrechtzuerhalten. Die zweite war die umfangreiche Besetzung. Ich hatte für Orchester, Chor und Soli komponiert, neu war, diese drei Gruppen jetzt zusammenzubringen. Ähnlich wie vor meinem ersten Streichquartett hat mich bei der Oper der grosse Respekt vor der Gattung und der Tradition anfangs gelähmt. Deshalb hat es lange gedauert, bis ich die erste Note schreiben konnte.

Gab es eine Initialzündung?
Mit dem Komponieren wurde meine anfängliche Angst immer weniger. Ich bin chronologisch vorgegangen, habe beim Prolog begonnen und mit dem Epilog die Oper beendet. Mit der Zeit habe ich so etwas wie Opernroutine gewonnen, wusste das Verhältnis zwischen Text und Musik besser einzuschätzen. Ich finde, das merkt man der Oper an. Der erste Teil besteht aus grossen Szenen, in denen das Wort viel Gewicht hat und die Handlung vorbereitet wird. Ungefähr ab der Hälfte bekommt die Musik mehr Raum, dürfen die Klänge sich ausdehnen und atmen. Das gipfelt im rein instrumentalen Epilog.

Was erzählt der Epilog?
Das Orchester spielt eine Dolchstossmusik, wie ich sie nenne. Im Epilog wird das Messer, das schon im Herzen steckt, nochmal umgedreht, sodass es richtig weh tut. Das Ende ist zwar introvertiert, aber dennoch intensiv. Es ist eine Alptraummusik.

Und wie klingt der Rest der Oper?
Ich bin meiner Klangsprache insofern treu geblieben, als die Partitur sehr transparent ist. Es gibt wenige Stellen, an denen das gesamte Orchester im Tutti spielt. Annas Maske klingt fragil und dezent. Mir liegt daran, zu zeigen, dass Neue Musik nicht zwangsläufig laut sein muss. Ich glaube an die besondere Spannung im Zusammenspiel weniger Musiker, auch bei grosser Besetzung. Über weite Strecken wird die Oper deshalb kammermusikalischen Charakter haben.

Anna hat einen ehemaligen Liebhaber, Obrist, und einen aktuellen, Swoboda: zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Wie unterscheiden sich ihre Charaktere in der Musik?
Obwohl es zwei Tenorpartien sind, unterscheiden sich die beiden Rollen enorm. Swoboda ist auf positive Art und Weise jugendlich naiv und im Vergleich zu Obrist viel leichtfüssiger komponiert. Er klingt nicht so schwermütig und dramatisch wie sein Kontrahent. Aber es gibt eine musikalische Gemeinsamkeit: Obrist singt in seiner Szene mit Putlitz «Ich liebe Anna», ein an der Grenze zum Kitsch komponiertes Motiv, das er fünf Mal wiederholt. Swoboda übernimmt dieses Motiv in der letzten Szene vor dem Epilog von Obrist. Die beiden Männer verbindet ihre überbordende Liebe zu Anna, die sie im Grunde austauschbar macht.

Wie hören wir Annas Mord beziehungsweise Obrists Selbstmord?
Ich wollte, dass Anna poetisch und leise stirbt und Alois mit grossem Getöse. Es fallen keine Schüsse, aber das Orchester spielt am Ende der Szene fünf Akkorde – ausnahmsweise im Tutti. Es könnten die fünf Schüsse sein, mit denen Obrist sich selbst getötet hat, aber die Musik ist an dieser Stelle vielfach interpretierbar, ähnlich wie die Schläge der grossen Trommel in den vorherigen Takten Annas immer langsamer werdenden Herzschlag zeigen könnten. Mir ist wichtig, dass die Musik keine eindeutige Auslegung diktiert, sondern verschiedene Impulse gibt und Assoziationen ermöglicht. Meine Musik soll den Text nicht illustrieren, sondern eine zusätzliche eigenständige Ebene anbieten.

Anna Sutter erlebte Carmens Schicksal. So ist Annas Maske auch eine Oper in der Oper. Auch musikalisch?
Es gibt ein paar wenige Zitate, die ich versucht habe in meine Klangsprache zu integrieren und nicht isoliert auszustellen. Dazu gehören unberührte Zitate, zum Beispiel aus der Habanera der Carmen, überarbeitete Melodiezitate und Rhythmuszitate, die schwer als solche zu erkennen sind. Neben Carmen kann man Salome und Elektra hören. Und als Putlitz in der zweiten Szene von Bayreuth spricht, konnte ich mir den Tristan-Akkord nicht verkneifen; allerdings erklingt er nicht original, sondern transponiert und kaum länger als zwei Sekunden.

Im Libretto ist von «Annas Geist» die Rede, in der Inszenierung sehen wir eine «andere Anna». Gibt es auch in deiner Musik eine zweite Anna Sutter?
Dazu gibt es eine Anekdote, die das reibungslose Verhältnis zwischen Alain Claude Sulzer, Mirella Weingarten und mir ganz gut beschreibt: Mirella Weingarten und ich haben das Libretto zeitgleich gelesen. Anschliessend hat sie mir von ihrer Idee der zweiten Anna auf der Bühne erzählt. Ich hatte beim Lesen denselben Gedanken einer zusätzlichen Ebene. Musikalisch habe ich diese im Chor gefunden, der Annas Innenleben widerspiegelt oder Obrists Zustand kommentiert, der orchestral klingen und Orchesterfarben verstärken kann. Der Chor ist also nicht direkt eine zweite Anna, aber die musikalisch reflektierende Ebene. Das, was im Libretto schon durch «Annas Geist» angelegt ist, ist in der Musik der Chor und in Mirellas Inszenierung die zweite Anna geworden. Wir alle haben dieselbe Idee dreimal unterschiedlich ausgedrückt.

Nicht nur die dramaturgische Klammer, die es in der Novelle und auch im Libretto durch die nach dem Mord entstandene Beziehung zwischen Pauline und Heid gibt, stellt den Begriff des Schicksals als eines der zentralen Themen dieser Geschichte und auch der Oper heraus. Anna fragt: «Warum nur denke ich so oft, ich werde Carmens Schicksal teilen?» Kann man das Schicksal in deiner Komposition hören?
Die eigentliche Schicksalsmusik ist für mich das Nachspiel, das erklingt, nachdem Obrist die Entscheidung getroffen hat, Anna und dann sich selbst zu töten. Er sagt: «Ich werde ein anderer sein», und auch die Oper ist ab diesem Zeitpunkt eine andere. Konkret ändern sich die Kompositionstechnik und die Harmonien. In der Oper erklingen immer wieder offene oder leere Quinten; spannende Zweiklänge, da sie weder Dur noch Moll zuzuordnen sind und für mich in diesem Zusammenhang innere Kälte symbolisieren. Schon zu Beginn stehen sogenannte Aloys-Quinten als Vorboten für die spätere Bedrohung. In der Schicksalsmusik liegen oft zwei Quinten ineinander verschachtelt übereinander – man könnte es fast tonal nennen –, die sich gemeinsam hoch- und wieder herunterschaukeln. Die Schicksalsmusik ist also eine Quintenmusik, eiskalt und heiss zugleich, ausserdem laut und voluminös wie keine andere Musik der Oper. Sie klingt in der gemeinsamen Szene zwischen Anna und Obrist an und schraubt sich im Epilog bis ganz nach unten.

Das Interview führte Deborah Maier – im Programmheft der Uraufführung (6. Mai 2017) publiziert. mehr lesen weniger

Changements beim Bayerischen Staatsorchester

Am 20. und 21. März 2017 dirigiert Cornelius Meister Changements von David Philip Hefti mit dem Bayerischen Staatsorchester im Münchener Nationaltheater. Auf dem Programm stehen zudem Werke von Beethoven und Strauss. Tickets & Details hier mehr lesen weniger

David Philip Hefti dirigiert das Ensemble Modern Frankfurt

Am 16. März 2017 dirigiert David Philip Hefti ein Abonnements-Konzert des Ensemble Modern in der Alten Oper Frankfurt. Auf dem Programm stehen Werke von Stefan Wolpe, Edgar Varèse, Kurt Weill und Hanns Eisler.
Tickets & Details hier mehr lesen weniger

TERMINE

David Philip Hefti: Annas Maske – Oper in zehn Szenen mit einem Prolog und einem Epilog
nach einem Libretto von Alain Claude Sulzer

Regie/Ausstattung: Mirella Weingarten

Maria Riccarda Wesseling (Anna), Daniel Brenna (Obrist), Sheida Damghani (Pauline), David Maze (Baron Putlitz), Nik Kevin Koch (Swoboda), John In Eichen (Weitbrecht), Riccardo Botta (Inspektor Heid), Leonardo Cerpelloni/Florian Kofmehl (Gustav)

Chor des Theaters St. Gallen / Sinfonieorchester St. Gallen
Otto Tausk, Leitung

David Philip Hefti: Annas Maske – Oper in zehn Szenen mit einem Prolog und einem Epilog
nach einem Libretto von Alain Claude Sulzer

Regie/Ausstattung: Mirella Weingarten

Maria Riccarda Wesseling (Anna), Daniel Brenna (Obrist), Sheida Damghani (Pauline), David Maze (Baron Putlitz), Nik Kevin Koch (Swoboda), John In Eichen (Weitbrecht), Riccardo Botta (Inspektor Heid), Leonardo Cerpelloni/Florian Kofmehl (Gustav)

Chor des Theaters St. Gallen / Sinfonieorchester St. Gallen
Otto Tausk, Leitung

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